Wie Menschen und Dinge gemeinsam wirken: Die Akteur-Netzwerk-Theorie

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Überall haben wir Technik. Und das wird immer  mehr. Ich rufe zum Beispiel regelmäßig mein Portemonnaie an, wenn ich das verlegt  habe. „Smartem" Tracker sei Dank.

Ich werde gerne gefragt: Was macht die  Technik eigentlich mit uns? Oder wie verändert Technik unsere Gesellschaft?

Dieser Frage hat sich auch Bruno Latour gewidmet.

Beziehungsweise würde er sagendass das die falsche Frage ist. Aber  langsam.

Latour war einer der wichtigsten Techniksoziologen und unter anderem war der Begründer derActor-Network-Theory" also Akteur-Netzwerk-Theoriekurz sagt man auch: ANT. Latour schlägt mit der ANT vor, einen anderen Blick aufdas Soziale" zu werfenAlso klassisch versteht man als das Soziale ja erstmal die Interaktion zwischen Menschen. Und  dem gegenüber steht dann als eine Art Gegenpol das Technische". Und diese Gegenüberstellungdas gefällt dem Franzosen Latour gar nicht.

Weil für ihn kanndas Technische" genauso wie  ein Mensch an Interaktionen beteiligt sein. „Das Technische" ist für Latour jedes Ding, selbst ein  Faustkeil, unser Handy, der Algorithmus hinter einer App oder einfach nur ein SchlüsselanhängerDiese Sachen, wie Menschen sind für Latour Handlungsträger", die nennt er Aktanten. Aber  wir gucken uns vielleicht besser eines seiner vielen Beispiele an, da wird das klarer. Wir sind in einem kleinen Hotel. Und der Manager von dem Hotel, der hat ein Problem.

Seine  Gäste verlieren immer wieder ihre Zimmerschlüssel.

Latour, der ist 1947 in der Bourgogne geborenUnd in seiner romantischen Vorstellung eines kleinen netten Hotels, gibt's keine Chipkarten  oder sowas, sondern halt Zimmerschlüssel. So, jetzt stellt der Hotelmanager ein Schild auf, mit  der freundlichen Bitte, beim Verlassen des Hotels den Schlüssel an der Rezeption abzugeben. Daran halten sich aber nicht alle Gäste. Immer noch gehen Schlüssel verloren. Und dann kommt  dem Hotelmanager die Idee an die Schlüssel so richtig unhandliche Anhänger zu hängen. Und die  haben den Zweck, dass die Gäste ihre Schlüssel nicht mehr einstecken können. Die wollen die  loswerden, weil diese großen Anhänger nerven.

Und tatsächlich werden die Schlüssel jetzt viel  häufiger an der Rezeption abgegeben und deswegen gehen so gut wie nie Schlüssel verloren. Um das zu verstehen, schlägt Latour vor, sich das als Netzwerk vorzustellenAkteur-NETZWERK-Theorie. Und Teil dieses Netzwerks sind sowohl die Hotelgäste  und der Manager, aber auch die Schlüssel, das Schild und auch diese schweren AnhängerUnd erst wenn man das alles hat, kann man diesesNetzwerk" als Ganzes verstehen. In Latours kleinen Hotel kommt die Technik unhandlicher Schlüsselanhänger daher  und verändert, was die Menschen tun.

Der Schlüsselanhänger wird zum Aktanten und  vermittelt zwischen Hotelmanager und Gästen.

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