Schallplatten, Füllfederhalter, mechanische Uhren, analoge Fotografie … Heute sprechen wir über Retro-Technologie.
Darüber, warum manche Technologien nicht einfach verschwinden, obwohl neue innovative Lösungen auf den Markt kommen. Sondern im Gegenteil, im Schatten neuer technischer Möglichkeiten blühen diese Retro-Technologien regelrecht auf.
Ende der 90er-Jahre gab es den PDA, den „persönlichen digitalen Assistenten". Das war eine Art Vorläufer vom Smartphone, nur ohne Phone.
Auf diesem PDA konnte man Kontakte speichern, oder seinen Kalender pflegen oder Notizen machen.
Und wer so ein Ding hatte, hat sein Umfeld schnell neugierig gemacht, was denn nun die Vorzüge dieses Computers für die Hosentasche sind. Wenn eine neue Technologie auf den Markt kommt, dann bringt sie uns in eine Art Aushandlungsprozess darüber, wie wir das tun wollen, was die Technologie als „Nutzenversprechen" mitbringt. Also Leute haben diesen kleinen PDA und machen darauf Notizen und jemand anders sieht das und sagt sich: Genau so will ich in Zukunft auch meine Notizen machen … und kauft sich dann auch so ein Teil.
Und so funktionieren Innovationen. Sie „diffundieren" - also das ist einfach ein fancy Wort für "sich verbreiten" - also sie verbreiten sich in einer sozialen Gruppe. Das ist quasi ansteckend. Aber es kauft halt nicht jeder einen PDA. Manche sehen den und denken sich: „Jemine, also meine Notizen mache ich lieber per Hand.
Und das möchte ich bitte auch in Zukunft so machen." Und dann gehen die Leute in einen Schreibwarenladen und zementieren diese Entscheidung dadurch, dass sie sich eine teure Kladde kaufen.
Diese teuren Notizhefte von Moleskin oder von Leuchtturm sind ein Markt, der sich gerade dadurch entwickelt hat, dass viele ihre Notizen eben nicht digital machen wollten.
Und der PDA ist da keine besondere Ausnahme, sondern dieses Prinzip gibt es ständig.
Mehr und mehr Leute haben jetzt so eine smarte Uhr. Und die sagt ihnen, dass sie jetzt aufstehen sollten, schlecht geschlafen haben oder jetzt mehr laufen müssen. Andere sehen das und sagen sich: Ich brauche auch eine Uhr, die mir sagt, dass ich mich mehr bewegen muss. Und wieder andere sehen das und sagen sich: Also mein Handgelenk möchte ich nicht digitalisieren, im Gegenteil. Und dann fangen die an, sich für mechanische Uhren zu interessieren. Es gibt eine ganze Reihe Studien, die sich mit der Frage beschäftigen, warum Menschen wieder Platten kaufen. Streaming-Dienste erlauben es uns ja, auf Millionen von Songs zuzugreifen und quasi in unserer Hosentasche mit uns rumzutragen.